TodesstrafeBlasphemie

Saudisches Berufungsgericht verurteilt tamilischen Arbeiter aus Sri Lanka wegen Facebook-Kommentar zum Tode

Sivarasa Anojan, einem tamilischen Arbeitsmigranten aus Sri Lanka, droht nun die Todesstrafe: Ein saudisches Berufungsgericht hat seine fünfjährige Haftstrafe wegen Gotteslästerung im Zusammenhang mit einem Facebook-Kommentar durch ein Todesurteil ersetzt. Ein srilankischer Abgeordneter stellt den Umgang der Regierung mit dem Berufungsverfahren infrage.

Sivarasa Anojan, ein tamilischer Arbeitsmigrant aus Natpiddimunai in Kalmunai im srilankischen Distrikt Ampara, ist von einem Berufungsgericht in Saudi-Arabien wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt worden. In erster Instanz hatte ihn das Strafgericht in al-Ahsa zu fünf Jahren Haft und einer Geldstrafe von drei Millionen Saudi-Riyal verurteilt. Nach Angaben seiner Familie erging das härtere Urteil am Donnerstag (17.), als über die Berufung entschieden wurde.

Vom Pilgerhund zur Strafanzeige

Ihren Ursprung soll die Affäre in der diesjährigen Pada Yatra haben, der alljährlichen hinduistischen Pilgerwanderung nach Kataragama. Gläubige hatten einem streunenden Hund, der den Pilgern Hunderte Kilometer weit folgte, den Namen Subramaniam gegeben, und das Tier wurde im Internet zur Sensation. Als ein Video auftauchte, das zeigt, wie ein junger Muslim den Hund in Kalmunai tritt, wurde dieser festgenommen und anschließend gegen Kaution freigelassen. Die Aufnahmen lösten zudem einen erbitterten Streit im Netz aus, bei dem hetzerische Kommentare verschiedene Religionsgemeinschaften ins Visier nahmen. Nach Angaben von Anojans Angehörigen wurde ein Facebook-Kommentar, den er damals verfasste, später den saudischen Behörden gemeldet und bildete die Grundlage der Anklage gegen ihn.

Zweifel an der Handhabung des Berufungsverfahrens

In einer am Freitag (18.) veröffentlichten Erklärung teilte das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten, Auslandsbeschäftigung und Tourismus mit, es verfolge den Fall über die Botschaft in Riad und arbeite dabei mit der saudischen Botschaft in Colombo zusammen. Das Todesurteil wurde in der Erklärung nicht erwähnt.

Shanakiyan Rasamanickam, Abgeordneter aus Batticaloa und Vorsitzender der ITAK-Parlamentsfraktion, forderte ein Eingreifen auf höchster diplomatischer Ebene. Ihm zufolge wurde die Familie ermutigt, Berufung einzulegen, obwohl ein von der Botschaft eingeholtes Rechtsgutachten die Erfolgsaussichten als äußerst gering eingeschätzt hatte. Die Angehörigen zahlten 1.890.766 Rupien an Anwaltskosten auf ein Konto ein, das mit dem Staatssekretär des Ministeriums in Verbindung steht. Obwohl die Berufung am 24. August eingelegt wurde, trägt das Schreiben des Ministeriums, mit dem sie an die Familie weitergeleitet wurde, das Datum 16. September. Als Rechtsbeistand im Berufungsverfahren ist der Anwalt Adlan Abdullah Al-Subaie angegeben, doch nach Angaben der Familie vertrat ein anderer Anwalt Anojan vor Gericht – dessen Namen und Kontaktdaten habe sie nie erhalten.

Rasamanickam will im Parlament mehrere Fragen stellen: wer diesen Anwalt ausgewählt hat, wie die Honorare verwendet wurden und ob die konsularische Betreuung des Falls versagt hat.

„Offenbar steht das Leben eines srilankischen Staatsbürgers auf dem Spiel. Jeder verfügbare rechtliche, diplomatische, konsularische und humanitäre Weg muss jetzt beschritten werden.“— Shanakiyan Rasamanickam

Ebenfalls am Freitag (18.) veröffentlichte Anojans Familie ein Video, in dem sie die Behörden zum Eingreifen aufruft.

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